Warum Weißaluminium und Graualuminium am schwersten auszublenden sind.
RAL 9006 (Weißaluminium) und RAL 9007 (Graualuminium) gelten als die anspruchsvollsten Farbtöne für eine unsichtbare Reparatur, weil ihre Aluminiumpigmente je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich hell wirken — ein Effekt namens Flop-Effekt. Eine Reparaturstelle muss deshalb aus mehreren Blickwinkeln farblich passen, nicht nur von vorne, was die Farbangleichung deutlich aufwendiger macht als bei Volltonfarben.
RAL 9006 (Weißaluminium) und RAL 9007 (Graualuminium) tauchen in kaum einem anderen Zusammenhang so oft als Extrembeispiel auf wie bei der Fassadenreparatur. Der Grund liegt nicht am Farbton selbst, sondern an einem physikalischen Effekt, der bei jeder Reparatur mitgedacht werden muss.
Es ist nicht die Farbe, die Probleme macht — es ist der Blickwinkel.
RAL 9006 und RAL 9007 sind keine gewöhnlichen Volltonfarben, sondern Metallic-Töne: Der Lack enthält feine Aluminiumplättchen, die dem Farbton seinen typischen silbrig-metallischen Glanz geben. Genau diese Plättchen sind der Grund, warum beide Farben in der Praxis als die schwierigsten Reparaturfälle gelten.
Bei einer reinen Volltonfarbe wie RAL 7016 (Anthrazitgrau) ist die Farbe aus jedem Winkel gleich — ein Molekül reflektiert Licht unabhängig davon, aus welcher Richtung man draufschaut. Aluminiumplättchen dagegen richten sich beim Trocknen des Lacks aus wie kleine Spiegel. Je nachdem, aus welchem Winkel man auf die Fläche blickt, reflektieren mehr oder weniger dieser Plättchen direkt zum Auge zurück — der Farbton wirkt heller oder dunkler, manchmal sogar leicht wärmer oder kälter. Dieses Verhalten hat einen eigenen Namen in der Lackindustrie: den Flop-Effekt.
Face-Winkel
Blick von vorne, nahe der spiegelnden Reflexion — der Ton wirkt am hellsten, die Aluminiumplättchen sind am dichtesten sichtbar.
Flop-Winkel
Blick seitlich, im flachen Winkel zur Fläche — derselbe Lack wirkt spürbar dunkler und ruhiger, die Plättchen "kippen" aus dem Sichtfeld.
Ursprünglich für Korrosionsschutz gedacht — nicht für die Optik.
RAL 9007 stammt ursprünglich aus dem Korrosionsschutzprogramm der Reichsbahn für Stahlkonstruktionen und Schienenfahrzeuge. Der Ton war nie als Gestaltungsfarbe gedacht — RAL selbst empfiehlt Graualuminium bis heute ausdrücklich nur für Korrosionsschutzanwendungen, nicht für dekorative Zwecke. Auf Fassaden und Hallen ist er trotzdem allgegenwärtig, gerade weil sein gebürstet-metallischer Charakter neutral und hochwertig wirkt.
Genau diese Herkunft erklärt auch eine zweite Eigenheit: Je nachdem, ob eine Fläche gespritzt, pulverbeschichtet oder im Coil-Coating-Verfahren behandelt wurde, sieht derselbe RAL-Code sichtbar unterschiedlich aus — der Code allein garantiert also nie eine exakte Übereinstimmung, das Beschichtungsverfahren zählt mit.
Eine Stelle kann von vorne passen — und seitlich trotzdem auffallen.
Werkseitig wird die Deckschale eines Paneels im Coil-Coating-Verfahren beschichtet: Der Lack wird kontinuierlich und maschinell in exakt gleichbleibender Schichtdicke aufgetragen, wodurch sich die Aluminiumplättchen über die gesamte Fläche hinweg gleichmäßig ausrichten. Bei einer Reparatur vor Ort mit der Spritzpistole muss diese Ausrichtung von Hand nachgebildet werden — über Spritzabstand, -winkel, Luftdruck und Schichtaufbau.
Das eigentliche Problem: Eine Reparaturstelle, die im Face-Winkel exakt passt, kann im Flop-Winkel trotzdem einen sichtbaren Unterschied zeigen — und umgekehrt. Ein sauberer Farbabgleich bei Metallic-Tönen bedeutet deshalb, beide Winkel gleichzeitig im Blick zu behalten, nicht nur den einen, aus dem man gerade zufällig schaut. Genau deshalb gelten RAL 9006 und 9007 in der Praxis als Referenzfälle dafür, wie anspruchsvoll ein wirklich unsichtbarer Farbabgleich sein kann.
Warum sich Coil Coating vor Ort grundsätzlich nicht wiederholen lässt ↗
Metallic-Farbtöne in der Reparatur.
Warum sind RAL 9006 und 9007 schwieriger zu reparieren als andere RAL-Töne?
Weil beide Töne Aluminiumpigmente enthalten. Die Farbe ändert sich je nach Betrachtungswinkel — dieses Verhalten heißt Flop-Effekt. Eine Reparaturstelle muss deshalb aus jedem Blickwinkel passen, nicht nur von vorne.
Was ist der Flop-Effekt bei Metallic-Lacken?
Der Flop-Effekt beschreibt, wie stark sich Helligkeit und Farbeindruck eines Metallic-Lacks zwischen frontaler und seitlicher Betrachtung verändern. Er entsteht durch die Ausrichtung der Aluminiumplättchen im Lack und wird in der Industrie an mehreren Winkeln gleichzeitig gemessen.
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Fachlich geprüft von Dominique Henke, Dellta-E Spot-/Smart-Repair, Zeven.